# 4,6 Millionen Menschen ohne Berufsabschluss: Wir müssen früher handeln

**By Thomas Müller** · 2026-07-20

Bildung · Ausbildung · Zukunft

# 4,6 Millionen Menschen ohne Berufsabschluss: Wir müssen früher handeln

![Schülerinnen und Schüler diskutieren gemeinsam mit einer Lehrkraft ein praktisches Unterrichtsprojekt](https://cdn.shopify.com/s/files/1/1069/4030/1651/articles/Schueler_diskutieren_Projekt_im_Unterricht_1ba2f6fc-5624-490d-a575-1f156c6b8406.png?v=1784550052)

Deutschland darf junge Menschen nicht erst dann auffangen, wenn Ausbildung, Studium oder der Einstieg in das Berufsleben bereits gescheitert sind. Erfolgreiche Bildungswege beginnen in einer Schule, die Stärken erkennt, Orientierung gibt und niemanden vorschnell aufgibt.

**4,6 Mio.** Erwerbspersonen in Deutschland haben keinen Berufsabschluss.

**+17 %** Seit 2019 ist ihre Zahl um rund 650.000 Menschen gestiegen.

**21,3 %** beträgt die Arbeitslosenquote unter den Menschen ohne Berufsabschluss.

## Ein Warnsignal für Schule, Wirtschaft und Gesellschaft

Die Arbeitslosenquote von Menschen ohne Berufsabschluss ist ungefähr sechsmal so hoch wie bei Menschen mit abgeschlossener Berufsausbildung. Diese Entwicklung ist nicht nur ein arbeitsmarktpolitisches Problem. Sie zeigt, dass zu viele junge Menschen schon während ihrer Schulzeit den Anschluss verlieren oder am Übergang in Ausbildung und Studium scheitern.

Wir müssen Bildungserfolg früher absichern und dürfen nicht warten, bis aus einer Lernlücke ein dauerhaftes berufliches Hindernis geworden ist.

## Was sich an unseren Schulen ändern muss

Ein Schulabschluss allein garantiert noch keinen gelungenen Übergang. Schule muss fachliches Wissen, persönliche Entwicklung und berufliche Orientierung stärker miteinander verbinden. Dazu gehören verbindliche Strukturen, die jedes Kind erreichen und unterschiedliche Begabungen ernst nehmen.

1

### Lernrückstände frühzeitig erkennen

Förderung darf nicht erst beginnen, wenn Versetzung, Schulabschluss oder Ausbildung bereits gefährdet sind. Schulen benötigen regelmäßige Lernstandsdiagnosen, verlässliche Förderzeiten und ausreichend Personal für individuelle Unterstützung. Entscheidend ist nicht nur das Feststellen eines Defizits, sondern eine unmittelbar anschließende und überprüfbare Förderung.

2

### Berufsorientierung als festen Unterrichtsbestandteil verankern

Viele Jugendliche kennen nur einen kleinen Ausschnitt der tatsächlichen Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten. Berufsorientierung sollte spätestens ab der siebten Klasse kontinuierlich stattfinden. Dazu gehören Praktika, Betriebserkundungen, reale Aufgaben aus Unternehmen sowie regelmäßige Gespräche mit Ausbildern, Fachkräften, Hochschulen und Bildungsträgern.

3

### Unterschiedliche Begabungen gleichwertig behandeln

Nicht jedes Talent zeigt sich in einer Klassenarbeit. Praktische Fähigkeiten, technisches Verständnis, Kreativität, Organisationstalent und soziale Kompetenz müssen denselben Stellenwert erhalten wie klassische Prüfungsleistungen. Wer die eigenen Stärken erkennt und praktisch erproben kann, entwickelt eher ein realistisches und tragfähiges Berufsziel.

4

### Sprachförderung in jedem Unterrichtsfach umsetzen

Sprachliche Schwierigkeiten wirken sich auch auf Mathematik, Naturwissenschaften, Technik und nahezu alle Ausbildungsberufe aus. Sprachförderung darf deshalb nicht auf einzelne Förderstunden begrenzt bleiben. Fachbegriffe, Arbeitsanweisungen, Dokumentationen und Prüfungssprache müssen in jedem Fach systematisch vermittelt und angewendet werden.

5

### Den Übergang nach der Schule verbindlich begleiten

Zwischen Schulen, Ausbildungsbetrieben, Arbeitsagenturen, Kammern und Bildungsträgern bestehen noch zu viele Lücken. Jeder junge Mensch sollte die Schule mit einer klaren und realistischen Anschlussperspektive verlassen. Wo der direkte Einstieg nicht gelingt, muss eine persönliche Begleitung sicherstellen, dass niemand aus dem Bildungs- und Ausbildungssystem verschwindet.

6

### Digitale Bildung pädagogisch sinnvoll einsetzen

Digitale Bildung bedeutet mehr als ein Gerät im Klassenzimmer. Gut aufgebaute Lernangebote können Wissen festigen, Lernstände sichtbar machen und unterschiedliche Lerngeschwindigkeiten berücksichtigen. Dafür braucht es fachlich hochwertige Inhalte, eine verständliche Struktur und Systeme, die Lehrkräfte wirklich entlasten.

## Bildung muss verständlich, erreichbar und berufsbezogen sein

Aus meiner Arbeit beim TPM-Media Verlag weiß ich, wie groß der Bedarf an klar gegliederten, berufsbezogenen und flexibel einsetzbaren Lernangeboten ist. Lernende benötigen nachvollziehbare Strukturen, konkrete Aufgabenstellungen und die Möglichkeit, Wissen regelmäßig anzuwenden und zu überprüfen.

Digitale Lernsysteme ersetzen weder qualifizierte Lehrkräfte noch den persönlichen Austausch. Sie können Unterricht, Ausbildung und Weiterbildung jedoch wirkungsvoll ergänzen. Gleichzeitig eröffnen sie Menschen außerhalb klassischer Bildungswege neue Möglichkeiten, einen Berufsabschluss nachzuholen oder sich schrittweise zur Fachkraft weiterzuentwickeln.

## Deutschland braucht mehr Investoren in der Bildung

Staatliche Verantwortung bleibt unverzichtbar. Gleichzeitig brauchen gute Bildungsprojekte mehr private Investoren, damit digitale Lernplattformen, moderne Lehrmittel, berufliche Qualifizierungsangebote und neue Bildungstechnologien schneller entwickelt und breiter zugänglich gemacht werden können.

Kapital für Bildung darf nicht ausschließlich nach kurzfristiger Rendite beurteilt werden. Gute Bildungsinvestitionen schaffen Fachkräfte, stärken die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit und ermöglichen gesellschaftliche Teilhabe. Sie wirken über viele Jahre und kommen Unternehmen, Beschäftigten und der gesamten Gesellschaft zugute.

## Qualifizierung muss auch später möglich bleiben

Wer die Schule oder eine Ausbildung ohne Abschluss verlassen hat, darf nicht dauerhaft auf Helfertätigkeiten beschränkt bleiben. Modulare Teilqualifikationen, berufsbegleitende Lernangebote und anerkannte Abschlussmöglichkeiten können vorhandene Berufserfahrung nutzbar machen und einen schrittweisen Weg zur Fachkraft eröffnen.

Wir dürfen nicht erst über Qualifizierung sprechen, wenn Menschen seit Jahren im Niedriglohnsektor oder in der Arbeitslosigkeit feststecken. Eine erfolgreiche Bildungspolitik verhindert Brüche, begleitet Übergänge und hält auch später echte zweite Chancen bereit.

Thomas Mueller

TPM-Media Verlags- & Bildungsgesellschaft Int. Ltd.

#OhneAbschluss #LinkedInNewsDACH

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**Quelle der Kennzahlen:** Bertelsmann Stiftung, „Raus aus dem Helferjob: Jeder Fünfte ist arbeitslos und es gibt kaum Stellen – Qualifizierung als Ausweg“. [Veröffentlichung aufrufen](https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/unsere-projekte/beschaeftigung-im-wandel/projektnachrichten/raus-aus-dem-helferjob-jeder-fuenfte-ist-arbeitslos-und-es-gibt-kaum-stellen-qualifizierung-als-ausweg)

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> Source: [TPM-Media Verlag](https://tpm-mediashop.com/blogs/neuigkeiten/4-6-millionen-menschen-ohne-berufsabschluss-wir-mussen-fruher-handeln)
