Deutschland so schlecht wie noch nie: Investitionen gehören in Bildung.
Die aktuellen PISA-Ergebnisse markieren für Deutschland einen historischen Tiefstand. Gleichzeitig wird der Bildungsmarkt nach unserer Einschätzung wirtschaftlich noch immer erheblich unterschätzt. Für TPM-Media ist beides eng miteinander verbunden.
Der Tiefpunkt ist messbar
Deutschland diskutiert über Wachstum, Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Fachkräftemangel und internationale Wettbewerbsfähigkeit. Gleichzeitig verschlechtert sich ausgerechnet die Grundlage, auf der all das aufbauen muss: Bildung.
Die am 8. September 2026 veröffentlichten PISA-Ergebnisse zeigen für Deutschland in allen drei klassischen Kompetenzbereichen den niedrigsten Stand seit Beginn der PISA-Erhebungen im Jahr 2000. Die Werte liegen sogar unter dem Niveau der ersten PISA-Studie vor 25 Jahren.
Deutschland erreicht nur noch ungefähr das Niveau des OECD-Durchschnitts.
Die Fähigkeit, Informationen sicher zu erfassen und anzuwenden, bleibt ein Kernproblem.
Auch mathematische Grundkompetenzen liegen nur noch ungefähr im OECD-Mittelfeld.
Historischer Tiefstand
Das Problem ist nicht allein Deutschlands Platz in einer Rangliste. Entscheidend ist, wie viele junge Menschen grundlegende Kompetenzen nicht sicher beherrschen und damit deutlich schlechtere Voraussetzungen für Ausbildung, Beruf und gesellschaftliche Teilhabe besitzen.
Wenn grundlegende Kompetenzen fehlen
Das Bildungsproblem erreicht Ausbildung und Arbeitsmarkt
Rund ein Drittel der getesteten Jugendlichen erreicht in Lesen und Mathematik keine ausreichenden Basiskompetenzen. In den Naturwissenschaften betrifft dies ungefähr ein Viertel.
Wer Texte nicht zuverlässig erfassen kann, wird später Schwierigkeiten mit Arbeitsanweisungen, technischen Dokumentationen, Verträgen oder Sicherheitsbestimmungen haben. Fehlende mathematische Grundlagen wirken sich ebenso unmittelbar auf zahlreiche Ausbildungsberufe aus.
PISA untersucht gerade nicht nur auswendig gelerntes Wissen. Entscheidend ist, ob Jugendliche Kenntnisse auf reale Fragestellungen übertragen können.
Die soziale Herkunft wiegt schwer
Besonders kritisch ist, dass die Kompetenzunterschiede zwischen sozial benachteiligten und privilegierten Jugendlichen in Deutschland weiter zugenommen haben.
Nach Angaben der Bildungsministerkonferenz sind diese Unterschiede inzwischen so groß wie zu keinem früheren Zeitpunkt seit Beginn der deutschen PISA-Erhebungen.
Zweifel an der Leistungsfähigkeit des bestehenden Systems sind deshalb keine pauschale Kritik an Lehrkräften oder Schulen. Es geht um Strukturen, Ausstattung, Förderung und politische Prioritäten.
Investitionen gehören in Bildung
Deutschland gibt bereits erhebliche Summen für Bildung aus. Das allein beantwortet jedoch nicht die entscheidende Frage: Werden genügend Mittel eingesetzt, kommen sie an der richtigen Stelle an und erzielen sie eine messbare Wirkung?
Mehr Geld allein löst kein Bildungsproblem. Investitionen ermöglichen aber bessere Lernbedingungen, zeitgemäße digitale Infrastruktur, hochwertige Lehrmittel, zusätzliche Förderung, berufliche Weiterbildung und moderne Lernsysteme.
Warum erkennen Investoren den Bildungsmarkt so selten als Zukunftsmarkt?
TPM-Media beobachtet den Bildungsmarkt seit Jahren. Umso erstaunlicher ist aus unserer Sicht, welche Geschäftsmodelle teilweise erhebliche Aufmerksamkeit und Finanzierung erhalten, während professionelle Bildungsangebote bei Investoren vergleichsweise wenig Beachtung finden.
Gerade im deutschen Investitionsumfeld scheint Kapital häufig dort besonders attraktiv zu sein, wo schnelle Skalierung, hohe Reichweite oder ein aktueller Technologietrend versprochen werden. Bildung benötigt dagegen Fachkompetenz, Redaktion, Didaktik, technische Entwicklung und kontinuierliche Aktualisierung.
Das macht Bildungsprodukte anspruchsvoller. Es macht den Bedarf aber keineswegs kleiner. Im Gegenteil: Der Bedarf wiederholt sich jedes Jahr und wächst mit jeder technologischen Veränderung.
Selbst bei TPM-Media sorgt es deshalb immer wieder für Erstaunen, welche Projekte besonders deutsche Investoren attraktiv finden und wie wenig Aufmerksamkeit gleichzeitig auf einen Markt fällt, dessen gesellschaftlicher Bedarf unmittelbar messbar ist.
Bildung ist viel mehr als Schule und Schulbuch
Der Bildungsmarkt endet nicht mit dem Schulabschluss. Er reicht von Ausbildung und Prüfungsvorbereitung über Weiterbildung und Umschulung bis zu digitalen Lernplattformen, Fachmedien und unternehmensinternen Qualifizierungssystemen.
Hinzu kommt die Geschwindigkeit, mit der sich Berufsbilder verändern. Digitalisierung, künstliche Intelligenz, Automatisierung, neue gesetzliche Anforderungen und technische Innovationen führen dazu, dass einmal erworbenes Wissen immer häufiger aktualisiert werden muss.
Der Weiterbildungsbedarf ist längst vorhanden
80 Prozent der von Bitkom befragten deutschen Unternehmen vermitteln zumindest Teilen ihrer Belegschaft digitale Kompetenzen. Gleichzeitig verfügte nur etwa jedes zweite Unternehmen über eine entsprechende Weiterbildungsstrategie. Das zeigt, wie groß der Bedarf bereits heute ist.
Aus einem Lernprodukt kann ein vollständiges Lernsystem entstehen
Die Digitalisierung verändert auch das Verlagsgeschäft. Ein Fachbuch muss heute nicht mehr das Ende einer Produktentwicklung sein. Es kann der Ausgangspunkt eines ganzen Bildungsökosystems werden.
Ohne Bildung helfen auch Straßen, Rechenzentren und KI nicht weiter
Deutschland diskutiert zu Recht über Investitionen in Verkehrswege, Energieversorgung, Digitalisierung, Rechenzentren und künstliche Intelligenz. Doch jede technische Infrastruktur benötigt Menschen, die sie entwickeln, bedienen, warten und weiterentwickeln können.
Deshalb dürfen Investitionen in Bildung nicht gegen Investitionen in Wirtschaft und Technologie ausgespielt werden. Gute Bildung ist eine wirtschaftliche Voraussetzung. Sie schafft Fachkräfte, erhöht Anpassungsfähigkeit und verbessert die Voraussetzungen für Innovation.
Künstliche Intelligenz macht Bildung nicht überflüssig. Automatisierung macht Bildung nicht überflüssig. Digitalisierung macht Bildung nicht überflüssig. Sie verändern vielmehr, was Menschen lernen müssen und in welcher Geschwindigkeit neues Wissen benötigt wird.
Der Bildungsmarkt ist kein Nebenmarkt. Er ist ein Zukunftsmarkt.
Deutschland kennt seine Bildungsprobleme inzwischen sehr genau. Nach mehr als zwei Jahrzehnten PISA-Debatte kann fehlende Erkenntnis kaum noch als Erklärung dienen. Entscheidend ist, welche Konsequenzen daraus gezogen werden.
TPM-Media betrachtet Bildung deshalb weder als kurzfristiges Produktgeschäft noch als Markt, der irgendwann durch Technologie ersetzt wird. Je schneller sich Technologie verändert, desto wichtiger werden verständliche, strukturierte, aktuelle und dauerhaft verfügbare Bildungsangebote.
Wer heute in gute Bildung investiert, finanziert nicht lediglich Unterricht, Bücher oder Lernsoftware. Er investiert in diejenigen Menschen, die morgen Unternehmen führen, Maschinen entwickeln, Patienten versorgen, Gebäude errichten, Software programmieren, Lebensmittel produzieren und die nächste Generation ausbilden.
Vielleicht liegt genau darin einer der am stärksten unterschätzten Märkte unserer Zeit.
Redaktionelle Quellenbasis
OECD: PISA 2025 Results · Bildungsministerkonferenz/KMK: Ergebnisse für Deutschland, 08.09.2026 · Statistisches Bundesamt: Bildungsbudget 2024 · OECD: Bildung auf einen Blick 2025 · Bitkom: Weiterbildung zu Digitalthemen, März 2026.