Industriekaufmann/-frau (m/w/d)

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Industriekaufmann / Industriekauffrau (m/w/d)

Ein vielseitiger kaufmännischer Ausbildungsberuf an der Schnittstelle von Einkauf, Produktion, Logistik, Vertrieb, Marketing, Personal und Rechnungswesen. Diese Seite erklärt den Berufsalltag, den aktuellen Lehrplan, die neue Prüfungsstruktur und die wichtigsten Perspektiven nach der Ausbildung.

Aktuelle Ausbildungsordnung 2024 Gültig seit 1. August 2024 Informationsstand: Juli 2026
Ausbildungsart Duale Berufsausbildung
Regeldauer 3 Jahre
Lernorte Ausbildungsbetrieb und Berufsschule
Schulabschluss Rechtlich nicht vorgeschrieben
Berufsschule 13 Lernfelder, insgesamt 880 Stunden
Abschlussprüfung Zwei Teile während und am Ende der Ausbildung
Berufsbild

Was machen Industriekaufleute?

Industriekaufleute steuern kaufmännische Abläufe in Industrieunternehmen. Sie vergleichen Angebote, bestellen Material, planen Waren- und Informationsflüsse, begleiten die Leistungserstellung, bearbeiten Kundenaufträge und werten betriebliche Kennzahlen aus. Je nach Abteilung arbeiten sie eng mit Produktion, Lager, Technik, Vertrieb, Geschäftsleitung oder externen Geschäftspartnern zusammen.

Beschaffung und Logistik

  • Bedarfe ermitteln und Bestellungen vorbereiten
  • Angebote vergleichen und Liefertermine überwachen
  • Lagerbestände und Materialflüsse koordinieren
  • Lieferantenkontakte und Reklamationen bearbeiten

Vertrieb und Marketing

  • Kundenanfragen und Aufträge bearbeiten
  • Kalkulationen und Angebote erstellen
  • Absatzmärkte und Zielgruppen analysieren
  • Marketingmaßnahmen planen und auswerten

Finanzen und Personal

  • Geschäftsvorgänge buchhalterisch erfassen
  • Kosten, Leistungen und Kennzahlen auswerten
  • Personalbedarf und Personaleinsatz unterstützen
  • Entgelt-, Arbeitszeit- und Personaldaten bearbeiten
Digitaler Berufsalltag: ERP-Systeme, Tabellenkalkulation, digitale Dokumentenablage, Datenbanken, Kommunikationsplattformen und automatisierte Geschäftsprozesse gehören heute fest zur Ausbildung. Datenschutz, Informationssicherheit und die Prüfung von Datenqualität sind dabei ebenso wichtig.
Eignung und Bewerbung

Welche Voraussetzungen sind wichtig?

Schulische Voraussetzungen

Ein bestimmter Schulabschluss ist gesetzlich nicht vorgeschrieben. Ausbildungsbetriebe entscheiden selbst. In der Praxis stellen viele Unternehmen Bewerberinnen und Bewerber mit mittlerem Schulabschluss, Fachhochschulreife oder Abitur ein.

Gute Grundlagen in Deutsch, Mathematik, Wirtschaft, Englisch und digitalen Anwendungen erleichtern den Einstieg.

Persönliche Stärken

  • Sorgfältiges und zuverlässiges Arbeiten
  • Organisationstalent und Verantwortungsbewusstsein
  • Freude an Zahlen, Daten und wirtschaftlichen Zusammenhängen
  • Klare mündliche und schriftliche Kommunikation
  • Teamfähigkeit und Interesse an unterschiedlichen Abteilungen
  • Bereitschaft, digitale Systeme sicher anzuwenden
Für die Bewerbung hilfreich: Praktika, kaufmännische Schulprojekte, Kenntnisse in Office-Anwendungen und konkrete Beispiele für eigenständiges Organisieren. Ein Anschreiben sollte zeigen, warum gerade industrielle Geschäftsprozesse interessant sind.
Ablauf im Betrieb

Wie ist die Ausbildung aufgebaut?

Die Ausbildung dauert regulär drei Jahre. Praktische Ausbildungsphasen im Unternehmen und Unterricht an der Berufsschule greifen ineinander. Der betriebliche Ausbildungsrahmenplan enthält berufsprofilgebende und integrativ zu vermittelnde Kompetenzen.

Berufsprofilgebende Inhalte

  • Leistungserstellung planen und koordinieren
  • Logistik- und Lagerprozesse planen und steuern
  • Beschaffung planen und steuern
  • Marketingmaßnahmen planen und umsetzen
  • Vertriebsprozesse umsetzen
  • Personalprozesse umsetzen
  • Kaufmännische Steuerung und Kontrolle durchführen
  • Einsatzgebietsspezifische Lösungen, Aufgaben und Prozesse bearbeiten

Integrative Inhalte

  • Organisation des Ausbildungsbetriebes
  • Berufsbildung sowie Arbeits- und Tarifrecht
  • Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit
  • Umweltschutz und Nachhaltigkeit
  • Digitalisierte Arbeitswelt und digitale Geschäftsprozesse
  • Zusammenarbeit, Kommunikation und eigene Arbeitsorganisation

Mögliche betriebliche Einsatzgebiete

Für den letzten Ausbildungsabschnitt wird ein Einsatzgebiet festgelegt. Die Ausbildungsordnung nennt Vertrieb, Marketing, Beschaffung, Logistik, Personalwirtschaft, Leistungserstellung sowie kaufmännische Steuerung und Kontrolle. Ein anderes betriebliches Einsatzgebiet ist möglich, wenn darin die vorgeschriebenen Kompetenzen vermittelt werden.

Verkürzung oder Verlängerung: Eine Verkürzung kann bei passenden Voraussetzungen gemeinsam mit dem Ausbildungsbetrieb beantragt werden. Auch eine Verlängerung ist in begründeten Fällen möglich. Zuständig ist in der Regel die jeweilige Industrie- und Handelskammer.
Aktueller KMK-Rahmenlehrplan

Die 13 Lernfelder der Berufsschule

Der seit 2024 geltende Rahmenlehrplan umfasst 13 Lernfelder mit insgesamt 880 Unterrichtsstunden. Die Bezeichnungen und Zeitrichtwerte sind hier vollständig wiedergegeben. Die konkrete Wochen- oder Blockverteilung kann je nach Bundesland und Berufsschule abweichen.

1. Ausbildungsjahr 320 Unterrichtsstunden
  1. 1 Das Unternehmen vorstellen und die eigene Rolle mitgestalten 80 Std.
  2. 2 Projekte planen und durchführen 40 Std.
  3. 3 Kundenaufträge bearbeiten und überwachen 80 Std.
  4. 4 Beschaffungsprozesse planen und steuern 40 Std.
  5. 5 Wertströme buchhalterisch dokumentieren und auswerten 80 Std.
2. Ausbildungsjahr 280 Unterrichtsstunden
  1. 6 Leistungserstellung planen, steuern und kontrollieren 80 Std.
  2. 7 Logistik- und Lagerprozesse koordinieren, umsetzen und überwachen 40 Std.
  3. 8 Kosten- und Leistungsrechnung zur Vorbereitung unternehmerischer Entscheidungen durchführen 80 Std.
  4. 9 Marketingkonzepte planen und umsetzen 80 Std.
3. Ausbildungsjahr 280 Unterrichtsstunden
  1. 10 Jahresabschluss vorbereiten, auswerten und für Finanzierungsentscheidungen nutzen 80 Std.
  2. 11 Geschäftsprozesse an gesamtwirtschaftlichen Rahmenbedingungen ausrichten 80 Std.
  3. 12 Personalprozesse planen, steuern und kontrollieren 80 Std.
  4. 13 Betriebliche Problemlösungsprozesse innovativ durchführen 40 Std.
Prüfungsrelevant: Die Lernfelder 1 bis 7 sollen vor Teil 1 der Abschlussprüfung unterrichtet werden. Teil 1 findet im vierten Ausbildungshalbjahr statt.
Gestreckte Abschlussprüfung

So ist die aktuelle Prüfung aufgebaut

Nach der Ausbildungsordnung 2024 gibt es keine klassische Zwischenprüfung mehr. Stattdessen fließen Teil 1 und Teil 2 gemeinsam in das Gesamtergebnis ein.

Teil 1 4. Ausbildungshalbjahr 25 Prozent

Leistungserstellung, Logistik, Beschaffung und Buchhaltung

Schriftliche Bearbeitung praxisbezogener Aufgaben, Prüfungszeit: 90 Minuten.

Teil 2 Am Ende der Ausbildung 75 Prozent gesamt

Marketing, Vertrieb, Personalwesen sowie kaufmännische Steuerung und Kontrolle

Schriftliche Bearbeitung praxisbezogener Aufgaben, Prüfungszeit: 150 Minuten, Gewichtung: 35 Prozent.

Fachaufgabe im Einsatzgebiet

Eine reale betriebliche Fachaufgabe wird dokumentiert, präsentiert und in einem auftragsbezogenen Fachgespräch erläutert. Gewichtung: 30 Prozent.

Wirtschafts- und Sozialkunde

Schriftliche Bearbeitung praxisbezogener Aufgaben, Prüfungszeit: 60 Minuten, Gewichtung: 10 Prozent.

Fachaufgabe und Dokumentation

  • Betriebliche Fachaufgabe mit vorheriger Genehmigung
  • Dokumentation mit drei bis fünf Seiten
  • Bis zu drei Seiten praxisbezogene Anlagen
  • Präsentation von höchstens zehn Minuten
  • Präsentation und Fachgespräch zusammen höchstens 30 Minuten

Interne Gewichtung der Fachaufgabe

  • Dokumentation: 10 Prozent
  • Präsentation: 20 Prozent
  • Auftragsbezogenes Fachgespräch: 70 Prozent

Die zuständige IHK informiert über Antragsfristen, Einreichungswege und regionale organisatorische Vorgaben.

Wichtiger Übergangshinweis: Diese Darstellung gilt für Ausbildungsverhältnisse nach der neuen Ausbildungsordnung, die seit dem 1. August 2024 in Kraft ist. Für früher begonnene Ausbildungen können Übergangs- und Altregelungen gelten. Im Einzelfall sollte die zuständige IHK gefragt werden.
Geld während der Ausbildung

Ausbildungsvergütung

Die tatsächliche Vergütung hängt von Branche, Tarifbindung, Region und Unternehmen ab. Tarifgebundene Industriebetriebe zahlen häufig deutlich mehr als die gesetzliche Mindestausbildungsvergütung.

Ausbildungsjahr Gesetzliches Minimum bei Ausbildungsbeginn 2026 Tariflicher Bundesdurchschnitt 2025 für Industriekaufleute
1. Jahr 724 Euro brutto pro Monat 1.195 Euro brutto pro Monat
2. Jahr 854 Euro brutto pro Monat 1.267 Euro brutto pro Monat
3. Jahr 977 Euro brutto pro Monat 1.362 Euro brutto pro Monat
Einordnung: Die gesetzlichen Mindestwerte gelten für duale Ausbildungen, die im Kalenderjahr 2026 beginnen. Die Tarifdurchschnittswerte stammen aus der BIBB-Auswertung 2025 und sind keine verbindliche Zusage für einen einzelnen Betrieb. Maßgeblich ist der jeweilige Ausbildungsvertrag.
Arbeitswelt

Wo arbeiten Industriekaufleute?

Beschäftigungsmöglichkeiten gibt es in nahezu allen Industriebranchen, zum Beispiel Maschinen- und Anlagenbau, Fahrzeugindustrie, Elektroindustrie, Chemie, Pharma, Lebensmittelwirtschaft, Energie, Metallverarbeitung oder Textilindustrie.

Arbeitsorte

Überwiegend Büro- und Besprechungsräume, je nach Aufgabe auch Lager, Produktionsbereiche oder Termine bei Kunden und Lieferanten.

Arbeitsweise

Viel Bildschirmarbeit, Abstimmung im Team, Terminverfolgung, Datenpflege, Berechnungen und Kommunikation per Telefon, E-Mail oder Videokonferenz.

Arbeitszeiten

Meist reguläre kaufmännische Arbeitszeiten. Gleitzeit oder mobiles Arbeiten können möglich sein, hängen aber vom Betrieb und der Ausbildungsphase ab.

Nach dem Abschluss

Übernahme, Karriere und Weiterbildung

Der Abschluss eröffnet Einsatzmöglichkeiten in Einkauf, Materialwirtschaft, Logistik, Vertrieb, Marketing, Personal, Finanzbuchhaltung, Controlling oder Produktionsplanung. Das Einstiegsgehalt richtet sich stark nach Branche, Tarifvertrag, Region, Unternehmensgröße und konkreter Verantwortung.

Fachliche Entwicklung

  • Industriefachwirt/in
  • Wirtschaftsfachwirt/in
  • Bilanzbuchhalter/in
  • Personalfachkaufmann/-frau

Höhere kaufmännische Abschlüsse

  • Geprüfte/r Betriebswirt/in
  • Staatlich geprüfte/r Betriebswirt/in
  • Spezialisierungen in Einkauf, Logistik oder Controlling

Studium

  • Betriebswirtschaftslehre
  • Wirtschaftsingenieurwesen
  • Supply Chain Management
  • Personal- oder Finanzmanagement
Zukunft des Berufs: Routineaufgaben werden zunehmend automatisiert. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Menschen, die Daten richtig einordnen, bereichsübergreifende Abläufe verstehen, digitale Prozesse kontrollieren und wirtschaftliche Entscheidungen nachvollziehbar vorbereiten.
Kurz beantwortet

Häufige Fragen zur Ausbildung

Ist die Ausbildung sehr mathematiklastig?

Mathematik wird für Kalkulationen, Kostenrechnung, Kennzahlen, Prozent- und Zinsrechnung benötigt. Hochschulmathematik ist nicht erforderlich, aber ein sicherer Umgang mit Grundrechenarten und wirtschaftlichen Berechnungen ist wichtig.

Brauche ich Abitur?

Nein. Rechtlich ist kein bestimmter Schulabschluss vorgeschrieben. Welche Voraussetzungen verlangt werden, entscheidet der jeweilige Ausbildungsbetrieb.

Kann die Ausbildung verkürzt werden?

Ja, bei passenden Voraussetzungen kann gemeinsam mit dem Betrieb eine Verkürzung beantragt werden. Die Entscheidung trifft die zuständige Stelle, meistens die IHK.

Gibt es noch eine Zwischenprüfung?

Nach der Ausbildungsordnung 2024 gibt es eine gestreckte Abschlussprüfung. Teil 1 wird im vierten Ausbildungshalbjahr abgelegt und zählt bereits zu 25 Prozent für das Gesamtergebnis.

Was ist das Einsatzgebiet?

Im Einsatzgebiet bearbeiten Auszubildende vertieft betriebliche Aufgaben und Prozesse. Es bildet die Grundlage für die Fachaufgabe in Teil 2 der Abschlussprüfung.

Ist Industriekaufmann oder Industriekauffrau ein Büroberuf?

Der größte Teil der Arbeit findet im Büro statt. Je nach Abteilung gehören aber auch Einblicke in Produktion, Lager und Versand sowie Gespräche mit internen Fachbereichen, Kunden oder Lieferanten dazu.

Geprüfte Grundlagen

Offizielle Quellen zum Nachlesen

Redaktionell geprüft im Juli 2026. Regionale Ausgestaltung, Berufsschulorganisation und IHK-Fristen können abweichen.

Ausbildungsbetriebe und Werbepartner

Unternehmen mit Ausbildungsplätzen

Unternehmen, die Industriekaufleute ausbilden, können sich hier künftig mit Standort, Kurzprofil, Logo und einem Link zu ihren Ausbildungsangeboten vorstellen. Jede Veröffentlichung wird klar als Anzeige gekennzeichnet und gegen einen einmaligen Buchungsbetrag vergeben.

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Passende Produkte für Industriekaufleute

Die folgenden Angebote sind unmittelbar auf die Ausbildung zum Industriekaufmann beziehungsweise zur Industriekauffrau ausgerichtet. Die Verlinkungen führen direkt zum jeweiligen Produkt oder Lernangebot im TPM-Mediashop.

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